Jugendtreff: WGP fordert Tempo
Helmut Dittkrist (links) und Horst Mussehl vor dem seit Jahren leeren ZOB-Gebäude, in dem
der Jugendtreff entstehen soll. Foto: Jörg Lotze
Seit fast 15 Jahren wird über einen Jugendtreff für Brunsbüttel gesprochen – passiert ist bislang wenig. Das sorgt bei der Wählerinitiative Graue Panther für zunehmenden Unmut.
Mit einem Antrag im Bildungsausschuss wollten Horst Mussehl und Helmut Dittkrist neuen Schwung in das Thema bringen, scheiterten dort jedoch an der Mehrheit.
ZOB-Gebäude soll Jugendtreff werden
Horst Mussehl, Fraktionsvorsitzender der Wählerinitiative Graue Panther (WGP), und sein Mitstreiter Helmut Dittkrist wollten es nicht bei einem bloßen Nachhaken belassen. Zu lange, so
ihre Kritik, werde in Brunsbüttel über Angebote für Jugendliche gesprochen, ohne dass etwas Greifbares entstehe.
„Schon im März 2011 – also vor fast 15 Jahren – wurde im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) empfohlen, Aufenthaltsplätze für Jugendliche zu schaffen. Auf diese warten wir bis
heute“, sagt Dittkrist.
Die Bedürfnisse junger Menschen stünden damit seit Jahren auf der städtischen Agenda, ergänzt Mussehl: „Jetzt wird es Zeit, dass daraus auch Taten folgen. Das Ganze zieht sich für
uns viel zu lange hin.“
Zum Jahresende legten die Grauen Panther nach und brachten einen offiziellen Antrag in den Bildungsausschuss ein. Ihr Vorschlag: Ein Runder Tisch mit allen relevanten Akteuren, um gemeinsam ein
tragfähiges Konzept für einen Jugendtreff zu entwickeln.
Ausschuss lehnt Antrag ab und verweist auf bestehenden Beschluss
Doch für diesen Vorstoß fand sich im Ausschuss keine Mehrheit. Dort verwies man auf einen bereits bestehenden Beschluss, der die Einrichtung eines Jugendtreffs im Bereich des ZOB
vorsieht – inklusive einer Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.
„Dieser Beschluss ist gültig“, betont Gesa Dierks, Leiterin der Fachbereiche Bildung und Soziales sowie Bildung und Kultur. Aktuell habe jedoch ein anderer Punkt Vorrang: die Suche
nach geeignetem Personal. „Ohne fachlich qualifizierte Kräfte kann ein Jugendtreff weder angemessen eröffnet noch jugendgerecht betrieben werden“, so Dierks. Das gelte sowohl für den
Start als auch für den laufenden Betrieb und die pädagogische Begleitung. In ihrem Antrag hatten Mussehl und Dittkrist noch einmal deutlich gemacht, warum sie einen Jugendtreff für
unverzichtbar halten. Er solle Jugendlichen einen geschützten Raum bieten, in dem sie sich ausprobieren, entfalten und weiterentwickeln können.
Soziale Kompetenzen könnten wachsen, Interessen entdeckt und Verantwortung übernommen werden. Ein vielseitiges Freizeitangebot, begleitet von Fachkräften, wirke integrierend
und habe zugleich eine präventive Funktion. Besonders wichtig sei den
Grauen Panthern, dass Jugendliche selbst gehört werden und ihre Ideen aktiv in die Gestaltung des Treffs einfließen.
Ohne Fachkräfte kein Startschuss
Dass das Thema in dieser Form zunächst zurückgestellt wurde, befürwortet Ausschussvorsitzende Sabine Mewes (SPD). „Wir freuen uns über jeden, der sich bei diesem Thema einbringt –
das haben wir tatsächlich schon länger in der Pipeline“, sagt sie.
Der Antrag der Grauen Panther greife allerdings dem Ablauf vor: „Das wäre der zweite Schritt vor dem ersten.“ Ursprünglich sei geplant gewesen, den Jugendtreff mit der neu zu
schaffenden Stelle eines Streetworkers zu verbinden. „Einen solchen haben wir
bislang leider nicht gefunden“, erklärt Mewes. Deshalb sei die Stellenbeschreibung inzwischen in „pädagogische Kraft“ geändert worden. Nun müsse zunächst geeignetes Personal gewonnen
werden. Parallel arbeite die Verwaltung an der Umsetzung des bestehenden Beschlusses sowie an einem Rahmenkonzept zur Kinder- und Jugendbeteiligung in Brunsbüttel. Dieses solle – wenn alles nach
Plan läuft – bereits in der kommenden Ausschusssitzung vorgestellt werden. „Und das beinhaltet dann die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen“, betont Mewes – nicht nur beim Jugendtreff,
sondern auch bei künftigen Projekten.
Der WGP liegt das Thema besonders am Herzen, betont Fraktionsvorsitzender Mussehl.
Ein Jugendtreff sei mehr als nur ein Freizeitangebot: Er schaffe einen Ort, an dem junge Menschen Angebote nicht nur nutzen, sondern auch mitgestalten können –
ein Prozess, der Selbstbewusstsein und Verantwortungsgefühl stärke.
„Ein Jugendtreff bietet Sicherheit, fördert kreative und soziale
Fähigkeiten und schafft Begegnungen über soziale und kulturelle
Grenzen hinweg“, so Mussehl.
Leerstehendes ZOB-Gebäude weiter im Fokus
Als möglichen Standort bringt Mussehl erneut das seit langem leer stehende, rund 100 Quadratmeter große Gebäude am ZOB ins Spiel, in dem früher unter anderem ein Kiosk untergebracht war.
„Das Gebäude gehört der Stadt, Architektenkosten fallen dort sicher
nicht an“, sagt er. Zudem müsse ohnehin entschieden werden, ob der Warteraum weiter betrieben werde – und wie es künftig mit den Toiletten weitergehe.
Grundsätzlich stoßen die Überlegungen der Grauen Panther sowohl in der Kommunalpolitik als auch im Rathaus auf Zustimmung. An der Notwendigkeit eines Jugendtreffs gebe es keinen Zweifel, stellt Gesa Dierks klar. Dennoch brauche es Zeit, wie Ausschussvorsitzende Mewes betont: „Wir hätten uns die Umsetzung auch schneller gewünscht. Aber es ist sinnvoller, alles dauerhaft auf gute Füße zu stellen, bevor wir konkret loslegen.“
Für Mussehl und Dittkrist ist damit klar: Auch wenn ihr Antrag abgelehnt wurde, bleibt das Thema auf der Tagesordnung. „Wir werden am Ball bleiben und weiter Druck machen“, kündigen beide an.
(Redakteur: Jörg Lotze)
Der Artikel wurde mit Genehmigung der Brunsbüttler Zeitung übernommen.